Viele Trainingsprobleme fühlen sich diffus an.
Mal ist das Pferd „unmotiviert“, mal „explodiert es aus dem Nichts“, mal geht etwas monatelang gut – und plötzlich gar nicht mehr. Oft wird dann an der Übung geschraubt: andere Hilfen, mehr Wiederholungen, neue Methode, neuer Trainer.
Das Problem dabei: Ausbildung wird häufig dort begonnen, wo sie eigentlich enden sollte.
Pferde lernen nicht linear. Und sie funktionieren nicht wie Maschinen. Sie folgen einer klaren inneren Logik – einer Bedürfnishierarchie. Wird eine Ebene davon übergangen, wackelt alles, was darauf aufgebaut ist.
Ganz unten: Sicherheit
Das fundamentale Grundbedürfnis jedes Pferdes ist Sicherheit.
Ein Pferd, das sich unsicher fühlt – körperlich, emotional oder situativ – kann nicht lernen. Punkt.
Unsicherheit zeigt sich nicht immer spektakulär. Oft ist sie leise:
in erhöhter Muskelspannung, in flachem Atem, in übermäßiger Wachsamkeit oder auch im inneren Abschalten. Ein Pferd kann äußerlich ruhig wirken und innerlich im Alarmzustand sein.
Ohne ein Mindestmaß an Sicherheit ist alles, was wir Training nennen, reine Symptombekämpfung.
Darauf folgt: Komfort
Komfort bedeutet nicht Bequemlichkeit. Es bedeutet:
Ich kann diese Situation aushalten, ohne mich schützen zu müssen.
Dazu gehören körperlicher Komfort (Beweglichkeit, Tragfähigkeit, Schmerzfreiheit) genauso wie mentaler Komfort (Verständlichkeit der Aufgabe, klare Signale, Pausen).
Viele Pferde scheitern hier – nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil ihr Körper oder ihr Nervensystem noch nicht kann. Wird Komfort übergangen, entstehen Kompensationen. Und die sehen später aus wie „Ungehorsam“.
Erst dann: Spielraum für Lernen
Erst wenn Sicherheit und Komfort gegeben sind, entsteht das, was wir uns im Training wünschen:
Neugier, Lernbereitschaft, innere Beteiligung.
Auf dieser Ebene beginnen echte Entwicklung, feine Kommunikation und nachhaltige Ausbildung. Hier wird Lernen leicht. Nicht, weil das Pferd brav ist, sondern weil sein System frei genug ist, um Neues aufzunehmen.
Das große Missverständnis
In vielen Ausbildungssystemen wird diese Reihenfolge unbewusst umgedreht.
Übungen stehen ganz oben – und die Basis soll sich „schon irgendwie einstellen“.
Das funktioniert manchmal kurzfristig. Langfristig aber zahlen Pferde dafür mit Stress, Verschleiß oder innerem Rückzug. Und Menschen mit Frust, Zweifel und dem Gefühl, ständig gegen etwas anzukämpfen.
Ausbildung beginnt unten
Gute Ausbildung fragt zuerst:
Fühlt sich dieses Pferd sicher?
Hat es körperlich und mental genug Komfort?
Oder verlangen wir gerade etwas von einer Ebene, die noch gar nicht stabil ist?
Diese Fragen entschleunigen. Aber sie klären.
Und sie erklären, warum manche Fortschritte scheinbar „über Nacht“ kommen – sobald die Basis stimmt.
Genau hier setzt meine Arbeit an
Ich beginne nicht bei der Übung, sondern bei der Ebene, auf der das Pferd gerade wirklich steht.
Nicht theoretisch. Sondern heute. In diesem Körper. In diesem Nervensystem.
Die Bestandsaufnahme ist dafür der logische erste Schritt. Sie bringt Ordnung in diffuse Probleme und macht sichtbar, was gerade fehlt – und was schon da ist.
Wenn du verstehen willst, warum dein Pferd so reagiert, wie es reagiert, und wie Ausbildung wieder logisch, fair und pferdegerecht werden kann, dann beginnt der Weg genau hier.

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