„Horsemanship is knowing when to quit.“

Warum die Sieben Spiele nicht der Endpunkt sein dürfen

„Horsemanship is knowing where to be, when to be, why to be, what to do when you get there, and when to quit doing what you’re doing.“ — Pat Parelli

Dieses Zitat bringt auf bemerkenswert präzise Weise auf den Punkt, worum es im Horsemanship eigentlich geht. Nicht um einzelne Übungen, nicht um Programme oder Level, sondern um Timing, Kontext und Verantwortung. Und ganz besonders um das Wissen, wann etwas seinen Zweck erfüllt hat. Genau an diesem Punkt entsteht in der Praxis jedoch häufig ein Missverständnis – vor allem im Umgang mit den Sieben Spielen, den Parelli-Spielen oder dem, was viele auch liebevoll das kleine Pferde-ABC nennen.

Die Sieben Spiele sind als Einführung gedacht. Sie schaffen eine gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Pferd, helfen dem Pferd, Druck zu unterscheiden, und schulen beim Menschen Timing, Klarheit und Körpersprache. Sie legen die Basis für Sicherheit, Verständigung und Kooperation. All das ist wertvoll und wichtig. Problematisch wird es erst dann, wenn diese Basis nicht mehr als Grundlage genutzt wird, sondern zum Dauerzustand wird.

Das kleine Pferde-ABC ist kein Trainingsziel. Es ist eine Vorbereitung. Die Parelli-Spiele sollen nicht endlos abgefragt werden, sondern früh etwas ermöglichen: den Übergang in bessere Körperorganisation, mehr Eigenbalance, tragfähige Bewegung und echte körperliche Weiterentwicklung. Ein Pferd, das gelernt hat, fein auf Impulse zu reagieren, soll diese Fähigkeit nicht über Jahre hinweg immer wieder demonstrieren müssen. Es soll sie einsetzen dürfen – im Körper, in der Bewegung, im Tragen von sich selbst und später auch von Gewicht.

Bleiben Pferde jedoch dauerhaft auf der Ebene der Sieben Spiele, passiert oft etwas sehr Leises. Das Pferd macht mit, es reagiert korrekt, es bleibt höflich – aber es entwickelt sich nicht weiter. Die innere Beteiligung nimmt ab, der Körper bleibt in frühen Bewegungsmustern stehen, und genau dort beginnt ein langfristiges Risiko. Denn körperliche Unversehrtheit entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch passende, rechtzeitige Entwicklung.

Natürlich brauchen Pferde Wiederholung. Aber Wiederholung allein ist keine Ausbildung. Wiederholung ohne Progression ist ein Kreisverkehr. Gute Ausbildung nutzt die Parelli-Spiele gezielt als Werkzeug, um Übergänge zu gestalten: vom Reagieren ins Tragen, vom Folgen ins Mitdenken, vom Nachgeben in echte Balance. Wird dieser Übergang zu spät oder gar nicht gegangen, fehlt dem Pferdekörper die Chance, sich sinnvoll anzupassen. Stattdessen entstehen Kompensationen – oft über Jahre hinweg unbemerkt.

Pferde bleiben nicht gesund, weil man möglichst wenig von ihnen verlangt. Sie bleiben gesund, weil man das Richtige zur richtigen Zeit verlangt. Ein Pferd, das körperlich und mental bereit wäre, mehr Verantwortung zu übernehmen, aber dauerhaft auf Basisarbeit begrenzt wird, kann keine tragfähige Muskulatur entwickeln. Es bleibt freundlich und funktional, aber nicht belastbar. Und genau das wird später häufig als „unerklärliches Problem“ sichtbar.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob du mit deinem Pferd die Sieben Spiele arbeitest. Die Frage ist, wofür. Sind sie noch Mittel zum Zweck oder sind sie zum sicheren Hafen geworden, weil Weiterentwicklung immer auch Unsicherheit bedeutet – für den Menschen ebenso wie für das Pferd? Horsemanship bedeutet an dieser Stelle, das eingangs zitierte Prinzip ernst zu nehmen: zu wissen, wann etwas seinen Zweck erfüllt hat.

Genau deshalb beginne ich meine Arbeit immer mit einer Bestandsaufnahme. Ich bewerte keine Systeme und keine Übungen. Ich schaue, ob das, was gerade trainiert wird, dem Pferd in seiner aktuellen körperlichen und mentalen Situation noch dient. Die Bestandsaufnahme klärt, ob Grundlagen gerade stabilisieren oder ob sie Entwicklung ungewollt ausbremsen.

Wenn du wissen möchtest, wie du die Sieben Spiele und andere Basisarbeit so einsetzen kannst, dass sie deinem Pferd früh körperliche Entwicklung, Tragfähigkeit und langfristige Unversehrtheit ermöglichen, dann ist die Bestandsaufnahme der richtige Einstieg.


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