Die Prinzipien meiner Arbeit

Orientierung statt Methode

Wenn die Grundlagen stimmen, braucht es keinen Methodenmix und kein ständiges „Mehr“. Was es dann braucht, sind Prinzipien. Sie geben Orientierung – unabhängig von Disziplin, Ausbildungsstand oder Ziel. Die folgenden Prinzipien bilden den Rahmen meiner Arbeit. Sie sind kein starres Regelwerk, sondern ein Kompass für Entscheidungen im Training.

Sicherheit vor allem

Ein Pferd kann nur lernen, wenn sein Nervensystem sich sicher fühlt. Physische Sicherheit, emotionale Sicherheit und Vorhersagbarkeit sind keine Extras, sondern die Voraussetzung für jede Form von Ausbildung. Wo Unsicherheit herrscht, entstehen Spannung, Widerstand oder Abschalten. Deshalb prüfe ich immer zuerst: Fühlt sich das Pferd sicher genug, um überhaupt aufnehmen zu können, was wir von ihm möchten?

Beziehung vor Technik

Technik kann man anwenden. Beziehung muss man gestalten. Pferde folgen nicht Übungen, sie folgen Menschen. Eine tragfähige Beziehung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Verlässlichkeit, Klarheit und Fairness. Training ist für mich immer auch Beziehungspflege – denn ohne Beziehung bleibt jede Technik oberflächlich.

Wahrnehmung vor Bewertung

Bevor etwas korrigiert wird, wird es wahrgenommen. Ich arbeite mit genauer Beobachtung statt schnellen Urteilen. Wie bewegt sich das Pferd wirklich? Wo hält es Spannung? Wo fehlt Stabilität? Viele vermeintliche „Probleme“ lösen sich, wenn wir aufhören zu bewerten und anfangen zu verstehen.

Fähigkeit vor Forderung

Ich fordere nichts, was ein Pferd körperlich oder mental noch nicht leisten kann. Ausbildung bedeutet für mich, Fähigkeiten zu entwickeln – nicht, Defizite zu überdecken. Ein Pferd darf lernen. Es darf Pausen brauchen. Und es darf zeigen, wenn etwas (noch) zu viel ist.

Klarheit, nicht Dominanz

Pferde brauchen keine Nettigkeit, sie brauchen Klarheit. Uneindeutige Signale verunsichern mehr als eine klare Grenze. Fair gesetzte, gut kommunizierte Erwartungen schaffen Orientierung – und damit Ruhe. Klarheit ist für mich ein Akt von Verantwortung, nicht von Dominanz.

Weniger ist mehr

Ich arbeite bewusst mit Reduktion. Weniger Übungen, weniger Wiederholungen, weniger Druck – dafür mehr Qualität, mehr Pausen, mehr Wirkung. Entwicklung entsteht nicht durch Dauerbeschallung, sondern durch gut gesetzte Reize und ausreichend Zeit zur Verarbeitung.

Entwicklung statt Zielerfüllung

Ziele können motivieren, aber sie dürfen nicht das Pferd übergehen. Mir ist wichtig, wie ein Ziel erreicht wird – nicht nur, dass es erreicht wird. Ein Pferd, das sich im Prozess weiterentwickelt, bleibt langfristig gesund, motiviert und kooperationsbereit.

Diese Prinzipien wirken leise, aber konsequent. Sie helfen mir, Training individuell zu gestalten und Entscheidungen nicht aus Gewohnheit, sondern aus Verständnis zu treffen. Sie sind der Grund, warum meine Arbeit oft entschleunigt wirkt – und dennoch nachhaltig verändert.

Wenn du diese Art von Klarheit, Struktur und pferdegerechter Entwicklung suchst, dann beginnt der Weg nicht bei der nächsten Übung, sondern bei einem ehrlichen Blick auf den Ist-Zustand.

Die Bestandsaufnahme ist dafür der passende Einstieg. Sie schafft Orientierung, bevor wir weitergehen – für dein Pferd und für dich.


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